Steam-Kassetten aus SSDs: Dieser Modder macht digitale Spiele anfassbar
Sam Eckhardt, Leitender Redakteur
Zuletzt aktualisiert: 18/07/2026
Physische PC-Spiele gelten seit Jahren als ausgestorben – doch ein Modder namens Jibril-sama hat das offenbar als persönliche Herausforderung verstanden. Statt CD-ROMs greift er zu gebrauchten SATA-SSDs, installiert darauf einzelne Spieltitel, versieht sie mit selbst gestaltetem Cover-Artwork und steckt das Ganze in ein Gehäuse: fertig ist die selbstgebaute Steam Game Cartridge.
Das Projekt tauchte auf dem Subreddit r/pcmasterrace auf, wo Jibril-sama den Ablauf detailliert dokumentierte: Plug-and-Play zur Wiedergabe von Steam-Spielen. Dafür hatte er zuletzt eine Reihe gebrauchter SATA-SSDs gekauft, einen benutzerdefinierten Code darauf geladen, Spiele installiert und eine passende Grafik erstellt, die am Gehäuse sitzt. Sobald alles fertig war, entstand eine eigene Steam Game Cartridge. Auf den Kassetten finden sich unter anderem Cyberpunk 2077, Forza Horizon 5 und Warhammer 40,000: Space Marine 2 – allesamt Titel mit erheblichem Speicherbedarf.

Wenn digitale Bibliotheken anfassbar werden sollen
Die Idee, digitalen Spielen eine physische Form zu geben, ist keine Laune des Moments. Sie trifft auf einen breiteren Wunsch unter Sammlerinnen und Sammlern, der sich auch in offiziellen Produkten wie dem LEGO Donkey Kong Arcade-Set widerspiegelt – dem Bedürfnis, Gaming-Geschichte greifbar zu machen, auch wenn die Spiele längst nur noch digital existieren. Jibril-sama geht diesen Weg konsequent weiter und macht aus jedem Spieltitel ein eigenständiges Sammlerstück.
Das haptische Erlebnis steht dabei mindestens gleichwertig neben dem funktionalen Nutzen. Die Kassetten sind kein bequemerer Weg, Steam zu benutzen – sie sind Objekte, die eine Beziehung zu einem bestimmten Spiel sichtbar machen. Dass dieselbe Community gleichzeitig leidenschaftlich über physische Disc-Releases wie die God-of-War-Veröffentlichung diskutiert, zeigt: das Verlangen nach Materialität im Gaming ist keineswegs eine Randerscheinung.
Teures Hobby: Was eine selbstgebaute Kassette kostet
Der Ansatz hat allerdings einen spürbaren Haken. Laut dem Originalbericht kosten qualitativ brauchbare 128-GB-SATA-SSDs im Schnitt zwischen 30 und 50 US-Dollar – pro Kassette. Wer eine Handvoll Spiele in dieser Form konservieren will, gibt schnell deutlich mehr aus, ohne dass sich dabei irgendetwas am Spielerlebnis selbst verändert.
Verschärft wird die Kalkulation durch die aktuelle Marktlage: Memory prices sind in den vergangenen Monaten gestiegen, angetrieben durch den erhöhten Bedarf von AI data centers und verschiedene globale Faktoren. Was einst ein günstiges Upgrade war, kostet heute merklich mehr – ein Timing, das für Jibril-samas Projekt denkbar ungünstig ist.
Wer nicht zwingend auf SSDs setzen möchte, hat laut Jibril-sama Alternativen. Der veröffentlichte Code soll theoretisch auch mit SD-Karten, USB-Sticks und Flash-Drives funktionieren – allerdings mit dem ausdrücklichen Hinweis: „No guarantee that it’s going to work for you. I only tested on my old Win10 install, but you should at least be able to take the general code and make it work or improve it,”.
Physische Medien verschwinden – der Gegenbewegung ist das egal
Das Projekt bekommt seine eigene Pointe durch die Richtung, in die sich die Spielebranche bewegt. Sony hat bestätigt, dass es die Produktion von PlayStation-Discs in 2028 einstellen wird. Microsofts nächste Konsolengeneration unter dem Projektnamen Project Helix soll Berichten zufolge ausschließlich digital erscheinen. Die Plattformbetreiber setzen auf die zunehmende Digitalisierung – einzelne Maker bauen derweil Kassetten.

Dieser Widerspruch ist produktiv: Jibril-samas Kassetten sind kein nostalgisches Aufbäumen gegen den Fortschritt, sondern eine Praxis, die zeigt, was beim Übergang ins Digitale verloren geht – nämlich das Gefühl, ein Spiel wirklich zu besitzen. Wer einmal eine eigene Kassette für Cyberpunk 2077 gebaut hat, denkt anders über den Unterschied zwischen einem Lizenz-Key und einem physischen Objekt nach. Der Aufwand ist hoch, die Aussage klar.
Sam Eckhardt, Leitender Redakteur
Sam hat eine Vorliebe für Spiele, die aus begrenzten Systemen erstaunlich viel herausholen. Besonders Browser- und HTML5-Spiele interessieren ihn, weil ihre technischen Einschränkungen oft zu kreativen Lösungen führen. Von seinen Anfängen mit Bounce Out bis zu modernen Roguelikes und Tower-Defense-Spielen verfolgt Sam die Entwicklung des Mediums mit großem Interesse. Heute schreibt er über neue Spiele, Branchentrends und Videospielnachrichten aus aller Welt.
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